SPOKEN DANCE – Eine Vereinbarung für unseren gemeinsamen Raum
Mit SPOKEN DANCE möchten wir Räume schaffen, in denen blinde und sehbehinderte Menschen Tanz erleben, ausprobieren und mitgestalten können. Uns ist wichtig, dass sich alle Teilnehmenden willkommen fühlen und die Angebote selbstbestimmt nutzen können. Dafür möchten wir einige Gedanken, Rahmenbedingungen und Vereinbarungen mit euch teilen. Sie sollen uns dabei helfen, einen gemeinsamen Raum zu gestalten, in dem unterschiedliche Bedürfnisse, Erfahrungen und Eindrücke Platz haben.
Ein Raum für Autonomie und Unterstützung
Wir möchten Räume schaffen, in denen Autonomie und Selbstbestimmung im Mittelpunkt stehen. Gleichzeitig möchten wir Unterstützung anbieten, wenn sie gebraucht wird. In den verschiedenen Veranstaltungsräumen gibt es nicht immer ein durchgängiges Leitsystem. Dafür sind sensibilisierte Assistent*innen vor Ort, die bei Bedarf unterstützen können.
Unsere Unterstützungsangebote sind Einladungen, keine Verpflichtungen. Ihr könnt sie jederzeit annehmen, ablehnen oder im Laufe einer Veranstaltung neu entscheiden, was für euch gerade passend ist. Unterstützung wird nicht ungefragt aufgedrängt. Uns ist wichtig, dass ihr selbst bestimmen könnt, was ihr braucht und wie ihr euch durch den Raum bewegt.
SPOKEN DANCE richtet sich speziell an blinde und sehbehinderte Menschen. Jede Person, die sich selbst als blind oder sehbehindert definiert, ist bei uns willkommen. Es ist nicht unsere Aufgabe, diese Selbstdefinition zu beurteilen oder zu überprüfen.
Wir möchten außerdem einen Raum schaffen, in dem Sehen und visuelle Informationen nicht selbstverständlich im Mittelpunkt stehen. Wir wollen gemeinsam ausprobieren, wie sich Tanz, Bewegung und Begegnung gestalten lassen, wenn unterschiedliche Wahrnehmungen Ausgangspunkt unserer Arbeit sind.
Über Blindheit und Sehbehinderung sprechen
Blindheit und Sehbehinderung sind für viele Menschen ein Teil ihrer Lebensrealität. Trotzdem sind sie kein selbstverständliches Smalltalk-Thema und sollten nicht einfach nebenbei zum Gesprächsgegenstand gemacht werden. Persönliche Erfahrungen, Fragen und Bedürfnisse dürfen Raum bekommen, wenn die betreffende Person darüber sprechen möchte. Gleichzeitig muss sich niemand erklären, Auskunft geben oder persönliche Erfahrungen teilen.
Wir wünschen uns einen Umgang miteinander, in dem unterschiedliche Perspektiven ernst genommen werden und persönliche Grenzen respektiert bleiben.
Unsere Bewegungsklassen: ausprobieren, wahrnehmen, gestalten
In den Bewegungsklassen lernt ihr unterschiedliche Tanzstile und die damit verbundenen Dynamiken und Rhythmen kennen. Es gibt viel Raum für Improvisation, in der die eigene Wahrnehmung, Kreativität und das Spüren und Fühlen eine wichtige Rolle spielen. Manchmal lernen wir auch Choreografien, zum Beispiel zu bestimmten Musikstücken oder aus bestehenden Tanzstilen.
Tanz kann vieles sein: abstrakt, witzig, emotional, kraftvoll oder ruhig. Jede Bewegungsklasse ist anders und wird von der jeweiligen unterrichtenden Person geprägt. Ihr könnt unterschiedliche Zugänge zu Bewegung entdecken und herausfinden, was sich für euch stimmig anfühlt.
Alles kann, nichts muss. Ihr entscheidet selbst, wie ihr an den Übungen teilnehmt und welche Bewegungen ihr mitmachen möchtet. Wenn ihr eine Übung nicht ausprobieren wollt oder eine Pause braucht, könnt ihr euch jederzeit an den Rand setzen oder legen und einfach als Zeug*in im Raum bleiben. Auch das Beobachten, Zuhören und Dabeisein sind Formen der Teilnahme.
In manchen Bewegungsklassen gibt es längere Phasen mit Berührungen. Wir berühren einander, spüren Bewegungen am Körper einer anderen Person nach oder führen und bewegen uns gegenseitig mit den Händen. Wie viel Berührung in einer bestimmten Klasse vorkommt, könnt ihr vorab dem jeweiligen Hörflyer entnehmen. Die unterrichtenden Künstler*innen geben dort möglichst transparent an, was euch erwartet, damit ihr euch auf die unterschiedlichen Arbeitsweisen einstellen und selbst entscheiden könnt, ob ihr teilnehmen möchtet.
Bisher wurden die Bewegungsklassen von sehenden Tänzer*innen unterrichtet. Wir möchten zukünftig auch blinde und sehbehinderte Tanz- und Theaterschaffende nach München einladen, um ihre künstlerischen Perspektiven und Arbeitsweisen in das Projekt einzubringen.
Feedback, Fragen und schwierige Situationen
Wir freuen uns über konstruktive Kritik, Rückmeldungen und Ideen. SPOKEN DANCE ist ein gemeinsamer Lern- und Erfahrungsraum, den wir weiterentwickeln möchten. Wenn euch etwas beschäftigt, ihr euch unwohl fühlt oder ihr eine Anregung habt, könnt ihr euch jederzeit an Manu, Caro oder Lisa wenden.
Gleichzeitig verstehen wir es als Aufgabe unseres Organisationsteams, aufmerksam zu bleiben. Wenn wir bemerken, dass eine Situation auch für uns unangenehm sein könnte oder Grenzen nicht ausreichend respektiert werden, möchten wir diese Situation ansprechen und gemeinsam nach einer guten Lösung suchen. Wir möchten weder voraussetzen, dass alle Situationen für alle Menschen gleich angenehm sind, noch die Verantwortung dafür allein den Teilnehmenden überlassen.
Informationen zu den Angeboten
SPOKEN DANCE bietet Veranstaltungen an, die sich teilweise an blinde, sehbehinderte und sehende Menschen gemeinsam richten, und andere, die sich ausschließlich an blinde und sehbehinderte Menschen wenden. Die genauen Informationen zu den jeweiligen Angeboten veröffentlichen wir in der Regel etwa zwei Wochen vor dem Termin über einen Hörflyer. Darin findet ihr auch wichtige Hinweise zum Ablauf und zu den jeweiligen Rahmenbedingungen.
Wir freuen uns darauf, mit euch gemeinsam zu tanzen, unterschiedliche Wahrnehmungen kennenzulernen und Räume zu gestalten, in denen Vielfalt selbstverständlich sein darf.
Die nächsten Tanzklassen:
Abholung immer 18 Uhr z.B. am Sendlinger Tor oder Poccistraße (bitte gebt uns Bescheid, wo ihr abgeholt werden möchtet, es geht auch von Zuhause oder von woanders)
4.November 18:30-21:00 Uhr Tanzklasse in der Tanztendenz an der Poccistr